
Am 31.08.2016 – vor 10 Jahren – wurde das erste Ghostbike in Essen vor dem Stadtarchiv in der ehemaligen Luisenschule am Bismarckplatz aufgestellt. Es erinnert daran, dass hier eine 53-jährige Radfahrerin von einem Auto überfahren wurde und einige Tage später ihren schweren Verletzungen erlegen ist. Es wird vermutet, dass der Autofahrer ungebremst rechts abbog und die Frau übersah. Inzwischen ist an dem damals freien Rechtsabbieger eine Bedarfsampel aufgestellt worden. Es fehlt aber weiterhin an Radinfrastruktur für alle Fahrtrichtungen.
Es ist das erste weiß lackierte Fahrrad von insgesamt 10 Ghostbikes, die in Essen aufgestellt wurden. Jedes dieser Räder erinnert an eine/n zu Tode gekommenen Radfahrer/in. Die Räder werden von anonymen Ehrenamtlichen betreut, nachlackiert und mit Blumen geschmückt, die auch gegossen werden.
Hinter jedem dieser Räder steht ein Menschenleben, das zu früh beendet wurde. Ein Menschenleben, das aus dem Leben gerissen wurde. Diese Menschen hinterlassen Kinder, Ehepartner, Eltern, Freunde, Schulklassen. Es bleibt eine große Lücke.
Die Räder werden gepflegt, damit sie an diese Unfälle immer erinnern. Sie weisen auf Gefahrenstellen hin, die die Stadt entschärfen müsste. “Vision Zero” sollte das Ziel der Essener Verkehrspolitik sein: keine Verkehrstoten mehr! Denn gemäß der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Straßenverkehrsgesetz (VwV-StVO) ist das Prinzip „Vision Zero“ die zwingende Grundlage aller verkehrsrechtlichen Maßnahmen. Sichere Mobilität muss auch für die schwächsten, die ungeschützten Verkehrsteilnehmenden gewährleistet sein!
Alljährlich am dritten Mittwoch im Mai findet in Essen der Ride of Silence statt, der international seit 2003 in immer mehr Städten durchgeführt wird. Dabei werden die Ghostbikes der Stadt besucht und der im Verkehr getöteten Radfahrenden gedacht. Im Jahr 2015 fanden (laut Wikipedia) Rides of Silence weltweit bereits in 340 Städten in 20 Ländern statt.