RadEntscheid Essen lobt und kritisiert aktuelle Planung zur Wittenbergstraße –
Sicherheit und Gleichberechtigung im Verkehr müssen Vorrang haben
Essen, 23. Januar 2026 – Der RadEntscheid Essen begrüßt die geplante Umgestaltung der
Wittenbergstraße als wichtigen Schritt für mehr Verkehrssicherheit. Doch die derzeitige
Planung bleibt in zentralen Punkten hinter den Anforderungen an eine moderne, gerechte
Straßenaufteilung zurück. Statt Sicherheit und Aufenthaltsqualität in den Mittelpunkt zu
stellen, wird weiterhin die volle Kfz- und ÖPNV-Kapazität erhalten.
Sicherheitsdefizite bleiben bestehen
Die heutige Wittenbergstraße führt mit überbreiten Fahrstreifen regelmäßig zu
gefährlichen Überholmanövern und Spurabweichungen. Eine klare, einstreifige
Verkehrsführung für Autos ist aus Sicherheitsgründen dringend geboten. Zwar schafft die
Planung breitere Radspuren, doch Rückstau- und Verflechtungsstrecken bleiben bestehen,
weil die Kfz-Führung unangetastet bleibt. Damit wird der Autoverkehr weiter priorisiert,
obwohl Optimierungspotenziale zugunsten der Sicherheit aller bestehen.
Bessere Lösung: Mehr Platz für Radfahrende – ohne Stau für Autos
Die vorgesehenen Radstreifen bleiben teils unterhalb des angestrebten Regelmaßes.
Durch eine moderate Reduzierung der Fahrspurenbreite (3,25 m statt 3,50 m) könnten
regelkonforme 2,50 m breite Radspuren geschaffen werden – im Einklang mit Ziel 4 des
Ratsbeschlusses zum RadEntscheid. Dies erhöht die Sicherheit und Nutzbarkeit für
Radfahrende deutlich, ohne die Leistungsfähigkeit des Kfz-Verkehrs zu mindern.
Schutz und Komfort müssen Standard werden.
Am Stadtwaldplatz und in weiteren Abschnitten fordert der RadEntscheid:
• bauliche Trennelemente zwischen Rad- und Autoverkehr,
• rote Markierungen und vorgezogene Haltelinien an Kreuzungen,
• die Beschränkung gemeinsamer Bus-/Radspuren auf kurze Abschnitte
Nur so entsteht ein sicheres und stressfreies Miteinander von Auto-, Rad- und Busverkehr.
Transparente Berichterstattung zu den Nutzen und Kosten
Die Verbreiterung der Radfahrstreifen ist aus Radverkehrssicht zwar der wichtigste Aspekt
der neuen Planung, die bisher unübersichtliche und stressfördernde Verkehrssituation
wird durch die Änderungen aber für alle Verkehrsarten verbessert.
Der wesentliche Teil der Kosten des Projektes wird durch die Fahrbahnsanierung
verursacht, die auch ohne Anpassungsmaßnahmen in absehbarer Zeit erforderlich würde
und allen Verkehrsteilnehmenden nutzt. Es mag zwar derzeit den Anschein erwecken, dass
die Fahrbahn noch nicht völlig abgenutzt ist. Durch die aus Sicherheitsgründen
erforderlichen Anpassungen am Querschnitt ergäbe sich ohne vollständige Erneuerung
aber ein Flickwerk neuer und alter Oberflächen sowie entfernter und neu aufgebrachter
Markierungen. Vor diesem Hintergrund ist es wirtschaftlich sinnvoll und vermutlich
technisch erforderlich, die Oberfläche jetzt vollständig zu erneuern.
Auf die Markierung des Radfahrstreifens entfallen mit lediglich 70.000 Euro dabei nur
etwa 3 % der Gesamtkosten.
Die Straßensanierung hingegen verursacht Kosten von 1.600.000 Euro.
Der wesentliche Teil der Gesamtkosten wird damit nicht für den Rad- sondern für den Bus-
und Kfz-Verkehr aufgewendet. Diese Werte wurden durch die Verwaltung transparent und
nachvollziehbar in der Beschlussvorlage aufgelistet.
Dass diese Mittel nun der Radverkehrsförderung zugeordnet werden, ist mindestens grob
irreführend.
Aufgrund der hohen Gesamtkosten fordert der RadEntscheid eine Kostenüberprüfung und
Priorisierung von Maßnahmen, die direkt der Sicherheit aller dienen statt der Kapazität
einzelner Verkehrsarten in Ausnahmesituationen – wesentliches Einsparpotenzial kann
dabei ein Verzicht auf die vorgeschlagene Verlängerung des Busfahrstreifens bieten, der
nur für besondere Ausnahmefälle benötigt wird.
Praxistests statt sofortigem teuren Umbau
Um schnell Wirkung zu zeigen, schlägt der RadEntscheid eine temporäre Umsetzung
mittels Markierung und Baustellenmaterial vor. So können Erfahrungen gesammelt,
Akzeptanz gefördert und Investitionen gezielt nachgesteuert werden. Dieses Vorgehen
spart Kosten und beschleunigt den Weg zu einer sicheren, klimafreundlichen
Wittenbergstraße.
„Wir wünschen uns eine Wittenbergstraße, die Sicherheit, Überblick und Fairness vereint –
statt teurer Symbolpolitik“, erklärt die Sprecherin des RadEntscheids Essen. „Mit klugen,
kosteneffizienten Lösungen können Stadt, Bus und Rad hier wirklich gemeinsam
gewinnen.“
Update 24.01.2026: Stellungnahme REE zur Vorlage 0976/2025/6 Wittenbergstraße – Upgrade Radfahrstreifen
Über die Pressemitteilung hinaus haben wir auch eine detaillierte Stellungnahme an die Stadtverwaltung Essen, sowie die Mitglieder des AVM und der BV II adressiert. Für Interessierte und zur Transparenz findet ihr sie hier als PDF.