
Beruflich arbeite ich in einer Nachbarstadt an der Förderung der Nahmobilität und sehe dort, welche Verbesserungen möglich sind und wie Städte zukunftssicher gemacht werden können. Dass in Essen jetzt das Gegenteil dessen passieren soll, wofür andere Kommunen gelobt werden, bestürzt mich.
Wer sich jemals getraut hat, mit Kindern im Straßenverkehr unterwegs zu sein, weiß, dass fahrende und geparkte Autos große Unsicherheiten und Gefahren mit sich bringen. Essen ist noch lange nicht für Alle sicher begeh- und befahrbar. Den Status Quo beizubehalten ist daher die schlechteste Option: Nicht nur werden wichtige Entscheidungen und Verbesserungen für Alle auf eine ungewisse Zukunft verlagert, wodurch der Umbau auch vor dem Hintergrund der Klimakrise nur immer dringender, teurer und schwieriger wird sondern dies bietet auch gar keine Lösung aller aktuellen Probleme an. Wir benötigen dringend klimaresiliente Städte und Verkehrswege, die auch mit dem Rad und zu Fuß sicher nutzbar sind. Fuß- und Radmobilität sind die Stützpfeiler des gesamten Verkehrssystems.
Davon abgesehen halte ich die Entscheidung des Rates für einen Affront gegenüber allen, die sich in Verwaltung und Öffentlichkeit für sichere Verkehrswege einsetzen. Dem eigenen Personal und allen gesellschaftlich Aktiven, die sich für eine sozial gerechte, klimaangepasste, sichere und nachhaltige Stadt einsetzen, wird gezeigt, dass ihr Engagement den Entscheidenden letzten Endes nichts wert ist, wenn Politik willkürlich extreme Richtungsänderungen vollzieht.