Stellungnahme des RadEntscheid Essen

Die Pläne für Radverkehrsanlagen auf der Huyssenallee markieren einen sehr guten Start; es fehlen aber RadEntscheid-konforme Aspekte wie z. B. eine durchgängige Führung

Das Amt für Straßen und Verkehr plant die Einrichtung besonders breiter Radfahrstreifen auf der Huyssenallee. Die dort vorgesehene Breite von bis zu 3,5m übertrifft deutlich die mit dem Beschluss zum RadEntscheid definierte Größenordnung. Gleichzeitig fehlen im Entwurf wichtige Aspekte und Standards, die ergänzt werden sollten: So fehlt ein adäquater Anschluss an die Fahrradstraße Rüttenscheider Straße und eine sichere Führung über den Europaplatz. Weiterhin vermissen wir eine durchgängige Gestaltung und die vorgeschriebene bauliche Trennung zum Kraftfahrzeugverkehr. Hier unsere Kritikpunkte im Detail.

Roter Teppich Aktion des RadEntscheid Essen auf der Huyssenallee am 18.07.2022 | Foto: René Gorny

Von der Rüttenscheider Straße bewegt sich der Kraftfahrzeugverkehr auf einem Fahrstreifen in Richtung Huyssenallee. Mit der Aufweitung vor der Kreuzung für wenige Meter und der Zusammenführung hinter der Kreuzung entsteht ein unnötiger Konfliktbereich. Der Kraftfahrzeugverkehr sollte hier konsequent auf einem Fahrstreifen über die Kreuzung geführt werden (Eine Spur für die Linksabbieger und eine Spur für geradeaus / Rechtsabbieger). Durch diese Gestaltung kann der Radfahrstreifen bereits ab dem Ende der Fahrradstraße eine dem Beschluss zum RadEntscheid konforme Breite haben. Folglich kann am Beginn der Huyssenallee der Radfahrstreifen in der Breite von 3 Metern umgesetzt werden.

In Fahrtrichtung Süden weisen die Pläne eine Aufstellung von Leitbaken aus. Für die Fahrtrichtung nach Norden nicht. Hier schlagen wir vor, dass auch für die Fahrtrichtung nach Norden Leitbaken aufgestellt werden. Die unterschiedliche Handhabung der Fahrtrichtungen erklärt sich uns nicht.

Die Markierung der Radfahrstreifen weist viele Unterschiede auf: Teils ist der Fahrstreifen selbst rot markiert, teils nicht. Die Ein- und Ausfahrten beim Hotel und beim Saalbau sind anders markiert als andere Einmündungen. Das Gleiche gilt für die Parkhauszufahrt in Fahrtrichtung Süden. Aus unserer Sicht wäre eine durchgängige rote Markierung des Radfahrstreifens empfehlenswert, um den Vorrang der Radfahrenden zu verdeutlichen. Mindestens sollten alle potenziellen Konfliktstellen – gemäß Beschluss zum RadEntscheid –  gleichartig rot markiert werden.

Eine Besonderheit ergibt sich im Bereich neben dem Saalbau, wo versenkbare Einfahrsperren (Poller) installiert sind. Der Radverkehr wird hier offiziell durch den Stadtgarten geführt, um jeweils die weiteren Hauptrouten zu erreichen. Von der Rellinghauser Straße kommend, fehlt an der Huyssenallee ein Durchbruch der Mittelinsel, um hier nach Süden abbiegen zu können. 

Beide freien Rechtsabbieger im Bereich der Rolandstraße entsprechen nicht der Forderung der AGFS nach einer Entschärfung bzw. nach einem Rückbau solcher Führungen, die ausschließlich dazu dienen, den Kraftfahrzeugverkehr zu beschleunigen, aber für den Fuß- und Radverkehr grundsätzlich Gefahrenstellen bilden. Bereits im Rahmen der Markierungs-Maßnahme an der Huyssenallee sollten die freien Rechtsabbieger daher (zumindest durch den Aufbau einfacher Sperreinrichtungen) zurückgenommen werden.

Im Bereich der drei Längsparkstreifen im Bereich der Hausnummern 100, sowie 15 bis 1 sollten (entsprechend der Anforderungen aus den geltenden Regelwerken) zusätzlich mindestens 0,75 m breite Dooring-Zonen markiert werden, um Radfahrenden zu signalisieren, einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu wahren.

Am Ende der Fahrtrichtung nach Norden endet der Radfahrstreifen unvermittelt auf der Fahrbahn und führt Radfahrende mitten in den mehrstreifigen Ausbau des Kraftfahrzeugverkehrs. Hier fehlt eine sichere Führung über den Europaplatz, die das Amt für Straßen und Verkehr dringend ergänzen muss.

Die Fahrtrichtung nach Süden weist die gleichen Mängel auf: Auch hier werden zwei sehr enge Fahrstreifen des Kraftfahrzeugverkehrs hinter der Kreuzung auf der Huyssenallee zusammengeführt – unmittelbar im Bereich des freien Rechtsabbiegers von der Kruppstraße. Hier sollte es bereits ab dem Europaplatz nur einen Fahrstreifen geben, der zur Huyssenallee führt. Zumal diese Stelle den steilsten Anstieg der Huyssenallee darstellt. Langsamer und schneller Radverkehr behindert sich an diesem engen Radfahrstreifen.  Auch hier ist der freie Rechtsabbieger zurückzubauen.

An der Kreuzung zur Friedrichstraße verläuft der geplante Radfahrstreifen, bedingt durch den signalisierten Rechtsabbieger, in Mittellage. Diese Führungsform lehnen die meisten Radfahrenden und auch der RadEntscheid als zu unsicher ab. Das Amt für Straßen und Verkehr priorisiert hier ein Fließen des motorisierten Verkehrs zuungunsten der Sicherheit von Radfahrenden.

Hinter der Kreuzung sollte auch in dieser Fahrtrichtung ein adäquater Anschluss an die Fahrradstraße mit einem angemessen breiten Radfahrstreifen gesichert werden. Die heutige Führung mit einem überbreiten Fahrstreifen, der suggeriert, es handele sich um zwei (aber nicht regelkonforme)  Fahrstreifen, von denen einer links in die Baumstraße führt, muss korrigiert werden.


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