Das Bezirksteam aus Schonnebeck, Stoppenberg und Katernberg hatte eine ereignisreiche Woche. Am letzten Donnerstag wurde im Rahmen des Mapathon-Projekts online gemeinsam über der Karte des Bezirks gebrütet. Über Ziele, ihre Prioritäten und passende Routen für Radfahrende aller Altersgruppen wurde diskutiert.

Am Samstag folgte dann die Praxis – mit der Bezirksvertretung des Bezirks Zollverein wurden Alltagswege abgefahren, Fahrradstraßen untersucht, tolle Lösungen gelobt, auf Probleme hingewiesen und Verbesserungsmöglichkeiten besprochen.

Aber eins nach dem anderen.

24.06.2021 – Mapathon

Mit Unterstützung aus dem Nachbarbezirk V und ganz viel Knowhow aus dem Mapathon-Kernteam haben wir mit der uMap des Bezirks VI gearbeitet. Ziel war das Aufmalen von Alltagswegen und der Abgleich mit dem bestehenden Radwegenetz. Das Ergebnis findet sich online und ist für alle einsehbar. 

Durch die uMap-Ebenenfunktionen lassen sich die gerade benötigten Informationen einfach ein- und ausblenden, um etwa die Stadtteilzentren sowie das Haupt- und Ergänzungs-Routennetz anzuzeigen. So war sehr schnell ersichtlich, dass die Ecken des  Dreiecks der Stadtteilzentren im Bezirk durch das derzeit vorhandene Netz leider nur schlecht miteinander verbunden sind. 

Aktuell definiertes Radverkehrsnetz

Weil sich auch abseits der drei Zentren und auch jenseits der Bezirks- und Stadtgrenzen zahlreiche und wichtige Anlaufstellen finden, wurden Stecknadeln in die Karte gesetzt. Die Farben bilden dabei drei Prioritäten ab: Klar, zu einem großen Schulzentrum oder einem Gewerbegebiet mit Büros und Supermärkten gibt es mehr und regelmäßiger Radverkehr als zu einem einzelnen Getränkemarkt (der aber natürlich auch mit dem Rad erreichbar sein sollte).

Letztlich haben wir das Ergebnis nach rund drei Stunden zur allgemeinen Zufriedenheit für gut befunden. Zusammen mit den Karten der anderen Bezirke wird dann eine große uMap-Karte für Essen dabei helfen, die Stadt bei der Umsetzung der Ziele des RadEntscheids zu unterstützen, damit  nichts Wichtiges vergessen wird. 

Wichtige Ziele und sinnvolle Ergänzungen im Radverkehrsnetz

26.06.2021 – Bezirksradtour

Für den Samstagmorgen hatte sich dann eine Delegation des RadEntscheids mit  Bezirksvertreter*innen des Bezirks VI und beratenden Ratsleuten zu einer Radtour durch die Stadtteile Katernberg und Schonnebeck verabredet. Auf dem Plan entlang des Weges standen positive und negative Beispiele der Radverkehrsinfrastruktur sowie Vorschläge zu deren Verbesserung. Auf der folgenden Karte kann man den weiter unten beschriebenen Verlauf mit den einzelnen Stops nachvollziehen.

Vollbildanzeige

Treffpunkt war der Katernberger Markt. Nach freundlicher Begrüßung ging es auch direkt los zum ersten Stop in der Hanielstraße. Hier wird die Fahrradachse leider nicht durchgezogen, sondern ist eher das gewohnte Stückwerk. Der Vorschlag, die Fahrradstraße von der Haniel- bis zur Katernberger Straße zu verlängern und in die alte Kirchstraße zu erweitern, ermöglicht eine durchgehende Fahrradachse bis in die Beisen. 

Ebenfalls Thema war die Beschilderung der Fahrradstraße. Hier gab es Berichte über eine Missinterpretation der Schilder, die sehr mittig auf dem Gehweg stehen. Offenbar gibt es das Problem, dass trotz der großen Piktogramme und Sharrows auf der Straße manche Radfahrende die Gehwege als Radwege deuten. Im Gespräch mit einer zufällig auf dem Gehweg vorbei radelnden Dame sah diese aber nicht die Schilder, sondern rücksichtslose Autofahrer in der Fahrradstraße als Kernproblem.   

Nach dem Weg durch die Beisen (ein Weg, der komplett ohne Radinfrastruktur zurückgelegt wurde) war der nächste Stopp an der Ückendorfer Straße. Eine breite Straße ohne Radweg mit einer scharfen Kurve, an der sich schon öfter Unfälle ereignet haben. Hier sollten mindestens Schutzstreifen, besser natürlich baulich getrennte Radwege erstellt werden. Zusammen mit der Karl-Meyer-Straße als Fahrradstraße (auch hier gibt es derzeit keine Radinfrastruktur) ergäbe sich so ein direkter Weg aus den Beisen bis zum Schonnebecker Markt. Nebenbei wäre auch der in der Karl-Meyer-Straße liegende Zugang zur Gustav-Heinemann-Gesamtschule, dem Jugendbibliothekszentrum Schonnebeck, dem Sport- und Gesundheitszentrum Nord-Ost-Bad sowie der Kindertagesstätte Schonnebeckhöfe erschlossen.

Auf dem Schonnebecker Markt gibt es nur wenige Fahrradabstellanlagen, die außerdem nicht mehr zeitgemäß sind. Im Kontrast dazu gibt es auf der gegenüberliegenden Straßenseite am neuen Schonnebecker Aldi viele und gute neue Fahrradabstellanlagen, die sogar Lastenrädern genug Platz bieten und ein Anschließen von Rädern ohne Bücken ermöglichen. Gerade für ältere Radfahrende ist das ein wichtiger Punkt. 

Sogar an einen abgesenkten Bordstein wurde gedacht. Dieser wird allerdings meistens von Autos zugeparkt. Hier sollte der Bereich vor dem abgesenkten Bordstein mindestens mit Fahrbahnmarkierungen versehen werden. Noch besser wären Halteverbotsschilder, wie sie wenige Meter weiter am abgesenkten Bordstein für die Belieferung des Marktes bereits vorhanden sind.

Vom Markt aus ging es dann bergauf. Jedoch nicht über die Huestraße oder die Schonnebeckhöfe (die – wir erkennen ein Muster – beide überhaupt keine Radinfrastruktur aufweisen) sondern zwischen der Jugendhalle Schonnebeck und dem Edeka-Parkplatz hindurch über Westbergkamp, Reickskamp, Gerhardstraße, Westbergstraße und schließlich die Serpentinen von Auf dem Stapel hoch. Die Strecke ist ein Teil der Fahrradprüfungsstrecke der Schulen in der Immelmannstraße (Schillerschule und Johann Michael Sailer Schule). Nachdem die Gruppe beeindruckt zur Kenntnis nahm, dass die Kinder diese Strecke zur Fahrradprüfung dreimal fahren, war vor allem die durch Elterntaxis belastete Parksituation zu Schulbeginn und Schulende, sowie fehlende Radinfrastruktur Thema der Diskussion an dieser Stelle.  

Die Kreuzung Huestraße, Portendieckstraße, Langemarckstraße, Matthias-Erzberger-Straße ist mit mehreren Bushaltestellen und teils fünf Fahrstreifen ein Drehkreuz zwischen den Stadtteilen Schonnebeck, Kray, Frillendorf und Gelsenkirchen-Rotthausen. Radinfrastruktur? – Komplette Fehlanzeige. Diskutiert wurde die Möglichkeit eines Kreisverkehrs, die Umsetzungswahrscheinlichkeit aber als minimal betrachtet. 

Dann, ein Stück die Portendieckstraße herab wurde erstmalig seit der Hanielstraße Radinfrastrukur entdeckt. Ein huckeliger, nicht benutzungspflichtiger Radweg, der auf dem Gehweg geführt wird.

Zwischenstopp in Schonnebeck während der Tour durch den Bezirk VI mit Teilen der Bezirksvertretung.

Von der Portendieckstraße aus wechselten wir dann für den Rückweg nach Katernberg von den Alltagsstrecken in die touristische Radinfrastruktur: Es ging auf die Trasse

Hier konnte dann tatsächlich auch mal gelobt werden. Ein breiter und gepflegter Weg für Radfahrende und Zufußgehende steht zur Verfügung und bietet genug Platz. Der glatte Untergrund garantiert Fahrvergnügen, einzig Beleuchtung würde hier die Lage noch verbessern können.

Dass der Untergrund aber nicht überall in idealem Zustand ist, war dann am Anstieg zum Phänomania Erfahrungsfeld zu besichtigten. Hier wurden Bodenwellen und Asphaltpilze schon vor langer Zeit markiert. Behoben wurden die Schäden bislang aber trotz Ankündigung noch nicht. Gerade bergab stellen diese jedoch eine erhebliche Gefahrenquelle, insbesondere für eventuell ungeübte, rein touristisch orientierte Radfahrende dar.

Ein weiterer Kritikpunkt auf der ansonsten wunderbaren Strecke war die Überquerung der Schonnebeckhöfe. Im Gegensatz zu der nächsten Querung der Gelsenkirchener Straße ist diese komplett ungesichert.

An der Ecke Arendahls Wiese / Haldenstraße führte die Beschilderung bzw. Radwegführung dann zu viel Kopfschütteln. Streng genommen müsste hier die Fahrbahn gleich zweimal gequert werden, um aus Katernberg kommend Richtung Stoppenberg abzubiegen. 

Nach der Unterführung ging es dann durch die Theobaldstraße Richtung Katernberger Bach. Eine Fahrradstraße, die für den motorisierten Anliegerverkehr freigegeben ist. Dennoch wurde die Gruppe hier von einem Autofahrer angehupt und laut aufgefordert, hintereinander zu fahren. Hinweise auf die aktuellen Regeln der Straßenverkehrsordnung kamen offenbar nicht bei ihm an – leider scheint das Wissen über die Regelungen in Fahrradstraßen noch lange nicht überall angekommen zu sein.

Am Ende der Theobaldstraße ging es dann in die zukünftige Grünfläche Katernberger Bach. Die ist derzeit noch großflächig Baustelle und man muss eine Portion Ortskenntnis mitbringen, um den Weg Richtung Katernberg Mitte zu finden. Toll ist hier, dass Fußwege und Radwege baulich getrennt angelegt sind. Für einen Zweirichtungsradweg scheint die Breite doch etwas knapp bemessen.

Nach dem Verlassen der Grünanlage fand sich noch die Ampel Hegestraße / Viktoriastraße als letzter Punkt vor dem Marktplatz. Die Ampel steht sehr gut, um Schulkinder zu der Viktoriaschule gelangen zu lassen. Für eine Querung der Viktoriastraße weiter Richtung Hanielstraße wäre mindestens eine Verbesserung der Sichtachsen wünschenswert. Über Möglichkeiten, ob und wie die Kreuzung auch sinnvoll mit Ampeln ausgestattet werden könnte, gab es in der Gruppe keinen Konsens.

Zurück am Katernberger Markt gab es ausnahmslos positives Feedback der Teilnehmenden über die durchgeführte Radtour. 

Als Fazit festzuhalten bleibt, dass die touristischen Wege positiv zu bewerten sind, die Alltagswege zwischen Katernberg und Schonnebeck aber über weite Strecken komplett ohne Radinfrastruktur auskommen müssen und an vielen Stellen Probleme existieren. Es ist deutlich leichter, schöner und sicherer, per Fahrrad vom Phänomania Erfahrungsfeld nach Zollverein zu gelangen als sich mit dem Rad vom Katernberger zum Schonnebecker Markt zu bewegen.

Hoffentlich wird der ein oder andere Punkt in der Bezirksvertretung Zollverein aufgegriffen werden. Dieser Post soll auch dazu dienen, den verhinderten Mitgliedern der BV einen Einblick in die Arbeit des RadEntscheids im Bezirk VI zu geben.

Im nächsten Jahr soll die Tour noch intensiver beworben werden, die sich dann auf Stoppenberg konzentrieren wird. Uns hat es großen Spaß gemacht und wir freuen uns auf die nächste Runde durch unsere Viertel.


2 Kommentare

Marc Zietan · 04.07.2021 um 15:35

Vielen Dank für das Engagement der RadEntscheid Bezirksgruppe.
Die Tour mit uns Mitgliedern der Bezirksvertretung VI war sehr aufschlussreich und wird sicher auch in die eine oder andere Vorlage von uns Grünen oder auch übergreifend aus den Fraktionen im Bezirk einfließen.

Benjamin · 04.07.2021 um 23:46

Sehr gute Aktion von Euch. Direkt die Theorie mit einem Praxistest geprüft. Kenne viele der Ecken und fahre selbst auch dort keine direkten Wege, Bürgersteig wenn sicherer, nehme Umwege über Seitenstraßen in Kauf usw.

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