Sonderausgabe

Liebe Freund*innen vom RadEntscheid Essen,

wir sind so richtig sauer. Warum wir sauer sind und was ihr tun könnt, wenn ihr auch sauer seid, lest ihr im folgenden Sondernewsletter.

Mit radelnden Grüßen
RadEntscheid Essen 

Schwarz-Rot beerdigt die Mobilitätswende – Ein Schlag ins Gesicht (nicht nur) von 60.000 radfahrenden Bürgerinnen und Bürgern
2026-03-11-umweg-rue

(Grafik: RadEntscheid Essen)

Wir kritisieren die verkehrspolitischen Leitlinien der Koalition aus CDU und SPD scharf, die in zwei Wochen im Rat beschlossen werden sollen. Was die Koalition als „Weiterentwicklung“ tarnt, ist bei Licht betrachtet eine Kapitulation vor dem Autoverkehr, der Offenbarungseid für die gescheiterte Verkehrspolitik der CDU und der faktische Ausstieg aus dem RadEntscheid-Beschluss von 2020. Ein klarer Wortbruch seitens CDU, SPD und Oberbürgermeister Kufen, der im Wahlkampf noch betont hatte, dem Beschluss zum RadEntscheid verpflichtet zu sein.

„Dieser Antrag der Stau-Koalition ist ein beispielloser Etikettenschwindel“, so Heino Sahling, Sprecher des RadEntscheids. „Unter dem Vorwand von Pragmatismus und Wirtschaftlichkeit werden verbindliche Ziele gestrichen und durch vage Absichtserklärungen ersetzt, die den Stillstand der letzten Jahre zur neuen Norm erheben. Gute Mobilität für alle Essener*innen wird so nicht möglich."

Die zentralen Kritikpunkte und fachlichen Widersprüche im Überblick:

  • Sicherheit nur als Lippenbekenntnis: Während die Koalition behauptet, Sicherheit habe „oberste Priorität“, verbietet sie gleichzeitig jede Maßnahme, die zu „systematischen Kapazitätsverlusten auf Hauptverkehrsachsen“ führt. Fachlich ist dies ein unlösbarer Widerspruch: Eine sichere Infrastruktur für Rad- und Fußverkehr benötigt Platz, der auf Hauptstraßen zwangsläufig zulasten des Kfz-Verkehrs gehen muss. Stattdessen soll es Wegführungen über Nebenstraßen geben. In diesen Nebenstraßen soll es aber möglichst keine Einschränkungen für Kfz geben. Dies ist jedoch unerlässlich, um Radfahrende vor Fehlverhalten von Autofahrenden (gefährdend geöffneten Türen, Ein- und Ausparken ohne Beachtung von Radfahrenden) zu schützen. Mehr Sicherheit für Rad- und Fußverkehr in Wohngebieten entsteht vor allem durch weniger Kfz-Verkehr.

 

  • Gefährliche Absenkung von Standards: Die Koalition will sich nur noch an „gesetzliche Vorgaben und Standards“ halten. Die Koalition senkt damit Standards gefährlich ab, indem sie moderne Regelwerke der FGSV wie die E-Klima 2022 und Leitfäden der Arbeitsgemeinschaft fahrrad- und fußgängerfreundlicher Städte (AGFS), deren Mitglied die Stadt Essen ist, als nachrangig gegenüber gesetzlichen Mindestvorgaben einstuft. Da diese jedoch den aktuellen Stand der Technik abbilden, wie er auch zukünftig in anderen gesetzlichen Regelwerken festgeschrieben wird, würde eine geringere Ausbauqualität entstehen, die fachlich falsch ist und zu Infrastruktur führt, die für Kinder, Senior*innen und unsichere Radfahrer kaum nutzbar ist.

 

  • Die Rüttenscheider Straße als Symbol des Scheiterns: Die Beibehaltung des Status Quo der Verkehrsführung mit bis zu 14.000 Kfz pro Tag auf einer Fahrradstraße und die geplante „Parallelroute“ sind eine Farce. Die vorgeschlagene Route ist um den Faktor 1,6 länger als die direkte Verbindung (5,40 km statt 3,35 km) und führt über steile Anstiege und gefährliche Hauptstraßen ohne geschützte Radinfrastruktur.

 

  • Trickbetrug beim Modal Split: Da das Ziel von 75 % Umweltverbund bis 2035 unerreichbar scheint, verschiebt die Koalition es auf 2045 und rechnet nun einfach „Mitfahrer“ und „Car-Sharing“ hinzu. Das widerspricht jedem wissenschaftlichen Standard. Ein Kind, das im SUV zur Schule gefahren wird, soll nun zur „nachhaltigen Mobilität“ zählen – eine absurde Verzerrung der Wirklichkeit. Weil unter den Rahmenbedingungen kaum Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr zu erreichen sein werden, müsste der ÖPNV einen Zuwachs um 27 Prozentpunkte erfahren. Bei “punktuellen ÖPNV-Beschleunigungsmaßnahmen” – wie von CDU und SPD geplant – ist dies völlig illusorisch. – Verbesserungen der Radwege sind immer die kostengünstigste Investition!

Fazit: Stau und Stillstand werden die Regel. In den vergangenen Jahren glänzte die Stadt durch Untätigkeit. Beschlossen wurde, jährlich 10 km Netz auszubauen und 8 km Radwege zu erstellen, ab 2025 sollte es richtig losgehen. In vier Jahren wurde vor allem aufgrund von politischen Blockaden eine kaum messbare Anzahl an Kilometern fertiggestellt. Statt dieses Versagen zu korrigieren, passt die Koalition nun die Regeln an ihre eigene Unfähigkeit an. Wird keine attraktive Alternative zum Auto geschaffen, fahren wieder mehr Menschen mit dem Auto. Dies bedeutet: Mehr Autos auf den Essener Straßen – also noch mehr Stau!

„Wir appellieren an die Ratsmitglieder, diesen Antrag entschieden abzulehnen. Wer die Mobilitätswende auf das Jahr 2045 verschiebt, hat die Bedürfnisse der Menschen in Essen und den Ernst der Klimakrise nicht verstanden“, so Sahling abschließend.

Eine ausführliche Kommentierung des Antragstextes findet ihr auf unserer Website.

Was du jetzt tun kannst

Das macht dich sauer? Sag es CDU und SPD!
Schreib doch deine Meinung zum geplanten Rückabwickeln des RadEntscheids direkt an Thomas Kufen (CDU) und Julia Klewin (SPD). Je mehr Personen ihre Meinung sagen, desto besser!
thomas.kufen@essen.de
julia.klewin@essen.de

Zeig deine Empörung vor Ort!
Über den Antrag wird zunächst am Donnerstag, 12. März, um 15:00 Uhr im Ausschuss für Verkehr und Mobilität abgestimmt. Die Sitzung ist öffentlich und findet im Ratssaal im Rathaus am Porscheplatz statt. Wir werden da sein und unseren (stummen) Protest ausdrücken - kommt gern dazu!

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Spendenaufruf

Für unsere Arbeit für ein sicheres und durchgängiges Radwege-Netz mit hoher Qualität benötigen wir eure Unterstützung. Aktuell prüfen wir Möglichkeiten, auf dem Rechtsweg unseren Forderungen zur Umsetzung des Bürgerbegehrens RadEntscheid Essen, das der Stadtrat 2020 mit großer Mehrheit beschlossen hat mehr Nachdruck zu verleihen - jetzt mehr denn je! Wenn Ihr die Möglichkeit habt, uns dabei mit einer Spende zu unterstützen, freuen wir uns sehr und bedanken uns bereits im Voraus. 

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Alternativ könnt ihr eure Spende natürlich auch direkt auf das Konto der IfN mit Stichwort: “REE Rechtsweg” überweisen:
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Wer steht hinter dem RadEntscheid? Wie steht der RadEntscheid zu den politischen Parteien? Was kostet eine bessere Infrastruktur? Wie kann ich beim RadEntscheid mithelfen? Antworten auf diese und auf weitere Fragen findest du auf radentscheid-essen.de/ree-faq/.

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Was ist der RadEntscheid?

Der RadEntscheid Essen ist ein erfolgreiches Bürger*innenbegehren für eine verbesserte Radinfrastruktur in unserer Stadt. Nach unserer Formulierung konkreter Forderungen und deren Kostenschätzung durch die Stadtverwaltung konnte die Unterschriftensammlung am 15. Mai 2020 starten. Es mussten mindestens drei Prozent der wahlberechtigten Essener*innen ab 16 Jahren diese Forderungen unterschreiben, also 13.800. 

Das haben wir mit 23.693 Unterschriften deutlich übertroffen, die wir am 24. August 2020 mit zusätzlich 568 Unterschriften von Kindern und Jugendlichen U16 an Oberbürgermeister Thomas Kufen übergeben haben. Am 26. August 2020 hat dann der Rat der Stadt Essen mit großer Mehrheit entschieden, unsere Forderungen vollumfänglich und im Wortlaut anzunehmen. Am 24. Dezember 2020 haben wir die Zählung bei 25.014 Unterschriften abgeschlossen. Damit ist unsere Arbeit aber nicht getan. Wir befinden uns nun in einer neun Jahre langen Umsetzungsphase, in der wir uns an konkreten Stellen für fahrradfreundliche Infrastruktur in Essen einsetzen. Dafür haben wir unsere Strukturen zum RadEntscheid 2.0 umgebaut und freuen uns über viele helfende Hände, Ideen und Beiträge in den Bezirksgruppen und AGs.

RadEntscheid Essen
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